Mahajara von Indore

Die Entdeckung der «Swissness»

Es ist der 14. Juni 1960. Es ist das Jahr, in dem John F. Kennedy PrĂ€sident der Vereinigten Staaten von Amerika wird. Die Sowjetunion wird Fussball-Europameister und der Film „La Dolce Vita“ von Federico Fellini erhĂ€lt in Cannes die Goldene Palme. Sie sind bereits zum fĂŒnften Mal Gast im Hotel Schweizerhof Luzern, denn Sie haben sich auf den ersten Blick in die Schweiz mit ihren lieblichen Seen und der gewaltigen Alpenkulisse verliebt. Die TĂ€ler erinnern Sie ein wenig an das nordindische Kaschmir.

Sie selber stammen aus Indore, einem bedeutenden Handelszentrum in Zentralindien, am Zusammenfluss von Kham und Saraswati auf dem Vindhya-Plateau gelegen. Ihr Name ist Maharaja Sir Yeshwentrao Holkar II. Sie stammen aus einer der einflussreichsten Herrscherdynastien in Britisch-Indien. Um 1715 erklĂ€rt Ihr Vorfahre Malhar Rao Holkar, GrĂŒnder der Holkar–Dynastie, Indore zur Hauptstadt des gleichnamigen Reiches.

Unter britischem Protektorat regieren Sie als letzter Holkar Indore bis kurz nach der UnabhÀngigkeit Indiens im Jahr 1947. Die Palastbauten Ihrer Familie wie der Lal-Bagh- oder Raj-Wada-Palast sind Zeugnisse unermesslichen Reichtums. Als jedoch die Privilegien der indischen Maharajas abgeschafft werden, verlassen Sie Ihre PalÀste und versteigern die Inneneinrichtung in Europa.

Europa. In den alten Kontinent hat es Ihre Familie schon immer gerne gefĂŒhrt.

Und seit den zwanziger Jahren verweilen Sie regelmÀssig ein paar Wochen im Hotel Schweizerhof Luzern.

Auch dieses Mal sind Sie mit einem kleinen Hofstaat angereist. Mit dabei: ihr persönlicher Arzt, mehrere Köche und Diener. So wie jeden Morgen sitzen Sie auch heute auf der Terrasse und geniessen ein reichhaltiges, warmes FrĂŒhstĂŒck.

Neben dem typisch indischen Poha (wĂŒrziger Reis) und dem Sheera (sĂŒsser Griess), die von Ihren Köchen zubereitet werden, dĂŒrfen auch die Schweizer Rösti der Hotelköche nicht fehlen.

Nach dem ausgedehnten Mahl entscheiden Sie sich spontan zu einem kleinen Einkaufsbummel in der Luzerner Altstadt.

Mit zwei Ihrer Diener schlendern Sie durch die Hertensteinstrasse und entdecken im SchuhmachergeschĂ€ft „Denti“ ein Paar handgefertigte Lederschuhe. Begeistert stĂŒrmen Sie mit den Schuhen in den HĂ€nden hinaus und lassen – wie immer – Ihre Diener die Rechnung begleichen.

Am Hoteleingang treffen Sie Susy Hauser, die HotelmiteigentĂŒmerin, und zeigen Ihr sogleich stolz Ihren Kauf. Sie sind zwar Maharaja, die einfachen Dinge im Leben begeistern Sie aber jeden Tag aufs Neue. Wahrscheinlich ist es genau das, was Sie so sympathisch macht. Und natĂŒrlich haben Sie immer ein Geschenk dabei bei Ihren Besuchen in Luzern.

FĂŒr Frau Hauser traditionsgemĂ€ss eine schöne Dose Kaviar. Dabei wissen Sie nicht, dass Ihr grösstes Geschenk an sie ein anderes ist: Ihre Familie gehört zu den ersten StammĂ€sten aus Indien im Hotel Schweizerhof und durch die PublizitĂ€t Ihrer Besuche tragen Sie dazu bei, dass der Anteil indischer GĂ€ste in den folgenden Jahren stetig wachsen wird.

Der Begriff „Swissness“ wird fĂŒr Inder Synonym von Schweizer Gastfreundschaft, QualitĂ€t und ProfessionalitĂ€t. Dem Maharaja sei Dank.