Kaiserin Eugénie

Eröffnung des Zeugheersaals

Es ist der 22. August 1865. Ihre prachtvolle Kutsche fährt gemächlich die Promenade des Vierwaldstättersees entlang. Es ist wahrlich Kaiserwetter und Sie geniessen die bewundernden Blicke aus der Bevölkerung.

Sie sind eines der bekanntesten und mächtigsten Paare in Europa: Sie, der französische Kaiser Napoleon III., und Ihre Gemahlin Kaiserin Eugénie. Mit dabei ist auch Ihr neunjähriger Sohn Lulu. Die Kutsche hat das Ausflugsziel erreicht: Vor Ihnen befindet sich das Löwendenkmal des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen.

Der sterbende Löwe berührt Sie zutiefst. Die Allegorie erinnert an die am 10. August 1792 beim Tuileriensturm in Paris gefallenen Schweizergardisten.

Etwa 760 von ihnen hatten als Garde von König Ludwig XVI bei der Verteidigung des leeren Schlosses den Tod gefunden. „Helvetiorum fidei ac virtuti – der Treue und Tapferkeit der Schweizer“ lautet die Inschrift. Zu Ihrem Sohn sagen Sie:

„Jeder Mensch trägt in sich eine Welt, die sich aus allem zusammensetzt, was er gesehen und geliebt hat. Und in die er immer wieder zurückkehrt, selbst wenn er eine fremde Welt durchstreift.“

Es ist an der Zeit, zurück ins Hotel zu fahren. Dort wird heute Abend der neue, von Leonhard Zeugheer (1812-1866) entworfene, Ballsaal eröffnet – der ganze Stolz der Hoteliersfamilie Hauser. Sie, Kaiserin Eugénie, kleiden sich mit Hilfe zweier Zofen in eine von Hofdesigner Charles Frederick Worth entworfene luxuriöse Abendrobe aus silbernem Tüll mit pastellfarbenen Blümchen und silbernen Pailletten. Sie sehen betörend aus. Auch Ihr Gemahl bemerkt dies und küsst sanft Ihre Wange.

Gemeinsam schreiten Sie in den neuen Ballsaal. Formidable! Welcher Glanz, welche Pracht, welche Eleganz. Zum Hotelier gewandt loben Sie: „Monsieur Hauser! Mes compliments! Welch prunkvoller Saal! Es gibt bei uns in Frankreich kaum Schönere.“ Und gemeinsam mit dem Kaiser überreichen Sie Ihr Gastgeschenk, eine Flasche Grand Cognac fine Champagne von 1850.

Diese Flasche wird die Familie Hauser nie leeren, sondern stets in Ehren halten.